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Eva-Loreen Scholz12.02.26 14:274 min read

Wenn die Cloud wackelt: Wie Immobilienunternehmen Ausfälle beherrschbar machen

„Wird verbunden …“

Es beginnt unspektakulär: Ein Klick auf „Teilnehmen“ in der Termin-Einladung, doch das Teams-Meeting startet nicht. „Wird verbunden …“ steht minutenlang auf dem Bildschirm. Also schnell ins E-Mail-Postfach wechseln– doch auch das lädt nicht mehr. Browserwechsel, anderes Gerät, Hotspot über das Handy: keine Änderung. Parallel häufen sich Nachrichten in den verbleibenden Kanälen: Fehlermeldungen, kurze „Bei euch auch?“-Nachfragen, erste Vermutungen über WLAN, Firewall oder den letzten Patch.

Aus einzelnen Störungen wird ein Muster. Nicht nur eine Anwendung ist betroffen, nicht nur ein Standort. Alles, was an der Cloud hängt, beginnt zu wackeln. Für Immobilienunternehmen ist das ein besonders kritischer Moment: Denn mit der Cloud hängen nicht nur Meetings oder E-Mails, sondern zentrale Geschäftsprozesse – von der Mietbuchhaltung über den Zahlungsverkehr bis hin zu Vertrags-, Objekt- und Servicedaten.

In dem Moment, in dem klar wird, dass es nicht an der eigenen IT liegt, sondern am Fundament selbst, stellt sich die entscheidende Frage: Nicht, warum die Cloud ausgefallen ist, sondern wie gut man als Immobilienunternehmen auf genau diesen Moment vorbereitet ist.

Die ersten Stunden: Wenn der Puls hochgeht

In den ersten 15 bis 30 Minuten eines Cloud-Ausfalls zeigt sich fast immer dasselbe Muster: Verwirrung, Spekulationen, Screenshots von Fehlermeldungen. Die wichtigste Aufgabe in dieser Phase ist unspektakulär und gerade deshalb anspruchsvoll: ein klares Lagebild zu schaffen.

Für Immobilienunternehmen heißt das konkret:
Kann noch gebucht werden? Läuft der Zahlungsverkehr? Sind Miet- und Objektinformationen verfügbar? Können Service-Tickets angenommen oder zumindest erfasst werden?

Idealerweise ist vorab festgelegt, wer im Ernstfallentscheidet, wer die technische Bewertung übernimmt und wer die Kommunikation steuert – intern wie extern. Wo diese Rollen fehlen, entstehen Unsicherheit, Zeitverlust und Vertrauensschäden.

Fast parallel beginnt der Kampf um den Minimalbetrieb. Inder Immobilienwirtschaft gibt es Prozesse, die nicht stehen bleiben dürfen:

    • Mieteingänge und Zahlungen
    • Fristen und Termine
    • Erreichbarkeit für Mieter, Dienstleister und Geschäftspartner

Entscheidend ist nicht, ob alles funktioniert, sondern was im Notbetrieb zwingend funktionieren muss. Reicht ein Lesezugriff? Können Buchungen offline vorbereitet und später synchronisiert werden? Gibt es definierte Notfallprozesse?


Technik im Krisenmodus: Entlasten statt perfektionieren

Technisch geht es während eines größeren Cloud-Ausfallsselten darum, sofort den Normalbetrieb wiederherzustellen. Gerade in ERP-zentrierten Immobilienlandschaften ist es klüger, Systeme gezielt zu entlasten.

Das kann bedeuten:

    • nicht kritische Reports zu pausieren
    • Analyse- und Auswertungsjobs zurückzustellen
    • Zusatzfunktionen temporär abzuschalten

Ziel ist es, die Kernprozesse stabil zu halten, etwa Buchungen, Auskünfte oder Fristenkontrolle.

Ein bewährtes Prinzip dafür ist der kontrollierte Notbetrieb. Anwendungen, die dafür vorbereitet sind, kennen mehr als nur „alles läuft“ oder „alles steht“. Sie schalten gezielt in einen reduzierten Modus: eingeschränkte Funktionen, zeitversetzte Auswertungen, Fokus auf das Wesentliche.

Für Immobilienunternehmen ist das besonders relevant, weil ihre Systeme langlaufende Prozesse abbilden. Ein Ausfall bedeutet hier nicht nur technische Unterbrechung, sondern potenziell finanzielle, rechtliche und operative Folgen.

Vorbereitung schlägt Reaktion

Die entscheidende Arbeit findet nicht im Ausfall statt, sondern lange davor. Wer cloudbasierte ERP-Systeme in der Immobilienwirtschaft einsetzt, sollte nicht nur fragen, wo sie laufen, sondern auch:

    • wie Wiederanlaufzeiten definiert sind
    • wie Backups und Datenzugriffe organisiert sind
    • wie Fallback-Szenarien aussehen

Regelmäßig getestete Backups, klare Zielwerte für Wiederherstellung und eine saubere Datenstrategie entscheiden darüber, ob ein Ausfall beherrschbar bleibt – oder zur Krise wird.

 

Organisation und Kultur: Der Cloud-Ausfall als Feuerübung

Technik allein reicht nicht. Erfolgreiche Organisationen behandeln Cloud-Ausfälle wie Feuerwehreinsätze: Man hofft, dass sie nicht passieren, aber man bereitet sich auf sie vor. Dazugehören Handbücher für typische Störungsszenarien: Wer informiert wen, welche Systeme haben Vorrang, wie wird kommuniziert? Diese Pläne müssen nicht perfekt sein, aber sie müssen vorhanden und aktuell sein.

Besonders wirksam sind simulierte Ausfälle. Bei diesen Übungen werden bewusst Dienste oder Komponenten außer Betrieb genommen. So zeigt sich, wie schnell Probleme auffallen, wie zügig ein Minimalbetrieb erreicht wird und ob die Kommunikation funktioniert. Die Erkenntnisse aus solchen Übungen sind oft unbequem, aber enorm wertvoll.


Und On-Prem? Keine romantische Alternative

Nach jedem größeren Cloud-Ausfall taucht die Frage auf, ob ein eigenes Rechenzentrum nicht sicherer wäre. Für viele Immobilienunternehmen ist das jedoch eine trügerische Vorstellung.

Auch On-Prem-Systeme fallen aus, oft länger und schwerer handhabbar. Fehlende Redundanzen, ungetestete Backups, Fachkräftemangel oder physische Risiken machen eigene Infrastrukturen nicht automatisch resilienter. Viele Rechenzentren erreichen nicht die Verfügbarkeits- und Sicherheitsstandards großer Cloud-Anbieter. Wer On-Prem arbeitet, trägt die gesamte Verantwortung selbst. Für die meisten Organisationen ist das weder effizient noch wirtschaftlich.

Die Cloud bietet hier reale Vorteile: mehrere Regionen, automatisierte Backups, standardisierte Sicherheitsmechanismen. Resilienz entsteht nicht durch den Ort der Systeme, sondern durch deren bewusste Architektur.

Resilienz als Führungs- und Architekturthema

Cloud-Ausfälle sind ein Weckruf, gerade für die Immobilienwirtschaft, die heute stark digitalisiert und datengetrieben arbeitet. Sie zeigen, wie abhängig zentrale Prozesse von stabilen Plattformen sind, aber auch, wie wichtig klare Vorbereitung ist. Viele Unternehmen nutzten die Gelegenheit, ihre eigenen Konzepte zu schärfen.

Unternehmen, die Cloud-Ausfälle nicht als Ausnahme, sondern als einkalkuliertes Szenario betrachten, gehen gestärkt daraus hervor: mit belastbaren Architekturen, klaren Notfallkonzepten, trainierten Organisationen und einer realistischen Haltung zur Digitalisierung.

Die Stärke moderner IT-Landschaften liegt nicht in der Illusion permanenter Verfügbarkeit, sondern in der Fähigkeit, mit Ausfällen professionell umzugehen. Wer das verinnerlicht hat, wird auch beim nächsten Vorfall handlungsfähig bleiben, technisch wie organisatorisch.

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Eva-Loreen Scholz

Marketing RELion

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